Faires Filesharing für alle!

Damals Schallplatte und Grammophon – heute MP3 im Internet.

Was sich beim Übergang vom analogen zum digitalen Zeitalter verändert hat.

Früher hing der Preis eines Musikstücks auch davon ab, wie teuer der Tonträger ist. Fallende Preise waren zu erwarten, als die CD eingeführt wurde. Eine CD lässt sich günstiger herstellen. Doch Pustekuchen: Statt zu sinken stiegen die Preise mehr und mehr, derzeit haben sie ihren bisherigen Höchststand erreicht. Empörend: Mit dem Kauf einer CD bezahlt man hauptsächlich den Handel und die Plattenindustrie – Oft geht trotz hoher Preise nicht mal ein einziger Euro an die Künstler.

Nach der CD kam das Internet; und mit dem Siegeszug des Netzes begann der Siegeszug von MP3. Ohne Internet kein MP3 – die kleinen, griffigen MP3s passten viel besser durch schmale Datenleitungen als die zehnmal größeren Wave-Dateien gerippter CDs.

Privatpersonen hatten ganz früher kaum eine Möglichkeit, Musik zu kopieren. Das änderte sich, als die Kassette auf den Markt kam. Das Kopieren wurde einfacher, billiger, schlicht: Für jede und jeden möglich. Und sofort wurden diejenigen, die Musik kopierten, als »Piraten« bezeichnet, die etwas »stehlen« würden.

Bald nach der Einführung der Kassette wurde durch eine Entscheidung des Bundesgerichthofes das »Recht auf Privatkopie« etabliert. Es war klar geworden, dass die Anzahl der Kopien nicht kontrolliert werden konnte: Technisch, aber auch wegen des Rechtes auf Datenschutz war das unmöglich. Das »Recht auf Privatkopie« erlaubt beispielsweise das Kopieren auf mp3-Player oder das Erstellen von Mixtapes für Freunde. Aber auch das Kopieren von Büchertexten in der Bibliothek. Die Künstler werden durch pauschale Abgabe auf Leer-CDs, Brenner und Kopierer vergütet. Kopierläden waren neue Geschäftsmodelle, die durch das Recht auf Privatkopie und Pauschalvergütungen ermöglicht wurden.

Alles änderte sich, als der Siegeszug des Internet – und damit der MP3s – begann. Filesharer kommunizieren mit Freunden auf der ganzen Welt – und werfen nebenbei noch einen Blick auf die Musik-Festplatte des Internet-Bekannten. Filesharing verbindet über Ländergrenzen hinweg. Kommerzielle Angebote dagegen sind derzeit noch keine Alternative für einen selbstbestimmten Musikkonsum.

In den USA werden zwölfjährige »Raubkopierer« auf fünfstellige Dollarsummen pro Song verklagt. Auch bei uns schlägt die Musikindustrie jetzt zu: Sie startete ihre erste Klagewelle gegen Tauschbörsennutzer im Frühling 2004. Eine neue EU-Richtlinie bringt neue Instrumente wie Schadensersatzzahlungen für das »Klauen« von Musik.

Die Musikindustrie »schießt mit Kanonen auf Spatzen«. Sie hat den Beginn des digitalen Zeitalters verschlafen und sieht sich nun in Gefahr. Das tauschen von Musik im Netz kann technisch nicht wirksam unterbunden werden, ohne Werte und Bürgerrechte unserer Gesellschaft aufzugeben.

Das scheint die Musikindustrie vorzuhaben. Sie hängt dem Irrglauben an, dass die Nutzung digitaler Werke absolut kontrolliert werden darf und kann. Geplant sind bestimmte technische Tricks, die dafür sorgen sollen, dass ein Song nicht unerlaubt kopiert wird. Damit dies klappen kann, muss sich eine zentrale Datenbank »merken«, wer das Musikstück gekauft hat und auf welchem PC es abgespielt werden darf.

Das kann technisch nur funktionieren, wenn Daten über die Käufer gesammelt und aufbewahrt werden. Außerdem bedenklich: Die Musikindustrie hat in einem solchen Fall stets Zugriff auf den PC, auf dem das Musikstück abgespielt werden darf, denn sonst könnte sie ja nicht kontrollieren. Ein solches Rechtekontrollsystem wird DRM (Digital Rights Management) genannt.

Solche Systeme widersprechen dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Außerdem sind solche Systeme ein großr Schritt zum »gläsernen Konsumenten«. Die GRÜNE JUGEND lehnt DRM-Systeme im Konsumentenbereich ab.

Selbst die Entwickler von Rechtekontrollsystemen sagen, dass diese unwirksam und nutzlos sind. Ein weiteres Minus der DRM-Systeme: Solche Kontrollsysteme funktionieren im Allgemeinen nicht mit Freier Software. Linux-Nutzer bleibt der Zugang zu diesen Systemen verschlossen und können nicht »legal« Musik erwerben.

Eine Pauschalabgabe auf Internetanschlüsse schafft eine neue und zeitgemäße Balance zwischen Künstler und Nutzer. Die Pauschalabgabe sichert auch das Recht auf kulturelle Teilhabe. Sie verhindert die Aufweichung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung, sichert den Datenschutz und vermeidet außerdem hohe Verwaltungskosten, die bei anderen Modellen anfallen würden.

Für die Pauschalabgabe sollte eine neue, unbürokratische Verwertungsgesellschaft geschaffen werden. Sie kann beispielsweise durch anonyme Testuser, Serverstatistiken und Votings die Gelder noch gerechter aufteilen.

Künstler müssen bei der Verwertungsgesellschaft kostenlos, auch ohne Label, Mitglied werden können. Gerade für kleine Bands fallen dann so viele Kosten weg. Kleine Bands haben in unserer digitalisierten Welt ganz neue Chancen, bekannt zu werden.