Was ist eine Privatkopie?

Die Privatkopie

Die Privatkopie taucht in der Wirklichkeit eher als geiler Song, Hammer-Film oder interessanter Artikel auf. Und zwar nicht als Werk an sich, sondern als Stück auf einer Kassette, CD oder auf einer Fotokopie. Aber egal ob Videos, Musik, Fotos, Bilder, Texte oder sonstige Kreationen. Nahezu alle künstlerischen oder wissensbasierte Werke können heute um ein leichtes gesichert, kopiert oder abgelichtet und verbreitet werden. überspielen oder fotokopieren; CD/DVD-Brenner oder Filesharingprogramm; fix und flexibel zusammengestellte CD’s für den Geburtstag, Kopien von wichtigen Aufsätzen oder Filme downloaden: Kopien zu privaten Zwecken sind weit verbreitet und Bestandteil öffentlichen Interesses.

 

Recht auf Privatkopie

Die Interessen der UrheberInnen an ihrem Werk sind grob seit der Französichen Revolution im Urheberrecht festgeschrieben. Die/ der UrheberIn

lässt sein Werk schützen und sichert sich oder anderen Personen so die Verwertungsrechte. Mit der Zeit setzte sich unter anderem die vom Bundesgerichtshof entwickelte Auffassung durch, dass nicht jede Kopie von unterschiedlichsten Werken aus den unterschiedlichsten Quellen (Buchdrucker, Geschäft, Bibliothek, FreundIn, KazaA, etc.) kontrolliert werden kann. Im Gegenteil die Weitergabe ist unter bestimmten Umständen von öffentlichem Interesse. Die Urheber (Künstler, Autor, …) und VerwerterInnen (HerausgeberInnen, Labels, ZwischenproduzentInnen, Verlage) müssen aber gerecht entlohnt werden. In erster Linie steht dafür der normale Kaufpreis für das Werk. Zusätzlich werden auch Abgaben auf öffentliche Vorführungen, Verwendungen , sowie auf Kopiergeräte und Datenträger fällig. Verwertungsgesellschaften, wie die GEMA oder VFF (Verwertungsgesellschaft Film- und Fernsehproduzenten) verwalten und verteilen die Einnahmen. Zwar sind diese Verwertungsgesellschaften zum Teil unnötig bürokratisch; die VerbraucherInnen werden aber so vor individuellen Erhebung und Abrechnung über ihre privaten Kopien verschont. Die Pauschalabgabe beugt so einem Verbot vor, das nicht zu kontrollieren wäre.

 

Digitale Privatkopien

Digitalisierte Werke in den unterschiedlichsten Dateiformaten (.mpeg, .mp3’s, .jpg, …) sind mit einer entsprechenden Ausrüstung sehr unaufwendig zu kopieren. Analoge Datenträger wie Kassetten, VHS-Videos oder ein Tonband. Auf der anderen Seite verschwinden digitale Daten schneller aus dem Verkehr. Zum einen, weil Abspielgeräte, Formate und Datenträger im Schnitt eine kürzere Lebensdauer haben. Zum anderen, weil die Konsumgewohnheiten sich im Zeichen des Internets verändert haben. Mehr Angebote, schnellerer Transfer und das häufig kostenlos. Alle saugen, brennen und sharen. Die Verwerter und weite Teile der Urheber sehen ihre Interessen verletzt. Sie verweisen auf Gewinneinbrüche in Milliardenhöhe. Dennoch sind durch neue Geschäftsfelder, insbesondere im erweiterten Marketing oder durch die Vermarktung von Musikklingeltönen deutliche Umsatzsteigerung zu verbuchen. Klar ist, dass sogenannte Raubkopien, die massiv vervielfältigt und gewinnbringend verkauft werden, verboten bleiben müssen. Größere Unternehmen der Musik- und Filmwirtschaft und der Phonoverband Deutschlands antworten. Die Kinokampagne „hart aber gerecht – Raubkopien sind ein Verbrechen“ oder die Klagewelle gegen Filesharer? richten sich an die Falschen: Die eigenen Kunden. Außerdem wird die mit Digital Rights Management (DRM) ein System eingeführt, das ein- und mehrmaliges Kopieren der digitalen Daten verhindern kann. Der Käufer muss dann zusätzliche Lizenzen erwerben oder einen höheren Kaufpreis bezahlen, um Privat- oder Sicherheitskopien zu erstellen. DRM verweist die Verbraucher in eine wesentliche schwächere Stellung als das System der Pauschalabgaben. Aber auch die Kopiersperren des DRM sind umgehbar, auch wenn es verboten ist. Eine mündige Verrbaucher wird dann zu recht Maßnahmen ergreifen, um die erworbenen Daten zu sichern, auf andere Datenträger (bspw. von der Festplatte auf den MP3-Player) oder in den sonstigen privaten Gebrauch zu übertragen. Auch wenn DRM die/ den VerbraucherIn bis in das Schlafzimmer verfolgt: Eine vernünftige Kontrolle ist nicht möglich und die Privatkopie für den/ die VerbraucherIn wird kriminalisiert.

 

Recht auf digitale Privatkopie

Die GRÜNE JUGEND schlägt deshalb ein System der pauschalen Onlinevergütung vor. Wir sind überzeugt, dass privates kopieren dem Interesse an Kommunikation, kultureller Teilhabe und Weiterentwicklung in kreativen Prozessen. Notwendig ist der Schutz der Privatsphäre, personenbezogenen Daten im Internet und grundsätzlich auch der individuellen kulturellen Vorlieben. Diese Werke einzeln zu verkaufen und ihre Weitergabe durch überwachungschips zu kontrollieren widerspricht rechtsstaatlichen Grundsätzen. Es kann nicht sein, dass jedeR Kunstschaffende und jedeR Kunstliebende ihrer/ seiner Selbstbestimmung beraubt wird, indem privates kopieren verborten wird. Eine pauschale Onlinevergütung ist das für alle Beteiligten gerechteste System für eine freie Wissens- und Digitalkultur.